Weitblick

Beratungsstelle des KJV Freital e.V. und der AWO Weißeritzkreis e.V., Beratungszentrum Freital-Dippoldiswalde
0351 6469735

Fallgeschichten

Leihoma auf Umwegen

Die Rentnerin, Frau S. aus F. kam in die Beratungsstelle und beklagte sich über ihre Obermieter, eine alleinerziehende Mutter, Frau K., mit 3 Kindern. „Es poltert und kracht immerzu und die Mutter schreit ziemlich oft“, berichtet Frau S. Auf die Situation angesprochen hat Frau S. die junge Frau noch nicht. „Ich würde ja gern, aber ich möchte doch auch nicht als Meckertante dastehen“, meint Frau S. und findet die Idee gut, mit Frau K. und der Mitarbeiterin der Beratungsstelle gemeinsam zu sprechen. Eine Woche später sitzen Frau S. und Frau K. in der Beratungsstelle. Frau S. erfährt, dass die junge Mutter ziemlich überlastet ist: die Kinder, der Job und der Haushalt. Und ja, sie habe oft ein schlechtes Gewissen, wenn die Kinder wieder all zu sehr toben und ihr selbst manchmal der Geduldsfaden reißt. Frau K. wünschte sich auch mehr Zeit für die Kinder, dann könnte sie mit ihnen häufiger auf den Spielplatz oder ins Grüne gehen und die Kinder wären sicher ausgeglichener. Frau S. erzählt von ihren Enkeln, die ebenso lebhaft sind, aber leider in den alten Bundesländern wohnen. Sie sieht sie viel zu selten, sagt sie. Dann macht Frau S. einen Vorschlag: sie könne doch gelegentlich mit den Kindern auf den Spielplatz gehen und überhaupt, ein bisschen mehr Leben in ihren vier Wänden wäre manchmal auch ganz gut. Frau S. und Frau K. vereinbaren, dass sie am nächsten Wochenende einmal gemeinsam auf den Spielplatz gehen, im Anschluss gibt’s bei Frau S. noch Kuchen und Kakao. Mal sehen, ob die quirligen Kleinen Lust auf mehr „Leihoma“ haben… .

Abgenabelt?

Kathy, 22 Jahre alt, besuchte uns mit dem Slogan: „Ich halte es nicht mehr aus!“. „Alles was ich anfange, geht schief, ich bekomme nichts auf die Reihe und meine Eltern meckern nur.“ Kathys Lebensweg schien im Erstgespräch bis 14 Jahre perfekt zu sein, danach fing der Ärger an. Sie verschlechterte sich in der Schule, die Freunde gefielen den Eltern nicht, Kathy kam immer häufiger zu spät nach Hause. Durch die Niederlagen in der Schule besuchte Sie diese auch nur sporadisch. Unsere erste Intervention war es nachzufragen, was zuletzt gelungen ist: Kathy hat ohne größere Anstrengung einen Realschulabschluss mit dem Durchschnitt von 2,4 erreicht. Im letzten Jahr hat sie den Führerschein erworben. Schon während des Berichtens wurde Kathy sichtlich größer und selbstbewusster. Anschließend begaben wir uns auf die Suche nach Zukunftsplänen und Ideen. Mit einer Selbstbeobachtung über 6 Wochen und anschließender Überprüfung, gelang es Kathy Ihre Ideen in die Tat umzusetzen. Kathy arbeitet momentan in einem Einkaufscenter und ist dabei im nächsten Jahr Ihr Abitur auf dem Abendgymnasium abzuschließen. Durch den Job gelang es Ihr in eine WG zu ziehen, seither hat Sie zu Ihren Eltern ebenfalls ein gutes Verhältnis.

Geschwisterkonflikte kennen kein Alter

Was in jungen Jahren noch schön ist, wenn man als Nesthäkchen verwöhnt und behütet wird, kann sich in reiferen Jahren problematisch darstellen. Entscheidungen treffen wollen oder müssen und sich mit Familienangehörigen darüber zu unterhalten, wurde zu ernsthaften Konflikten. Im Beratungsgespräch ergab sich, wenn reden nicht hilft, dann eben schriftlich. Man kann sich überlegen was teile ich wie mit und was ist wichtig. Mit dieser Methode kann niemand behaupten, nicht informiert zu sein oder ausgeschlossen zu werden. Und vielleicht erhält man einen neuen Zugang zueinander, wenn man liest wie es dem Anderen geht oder einfach mal wieder Post bekommt.